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6. September 2015 „PIFKe“ geht an den Start

Am 27.Juli wurde das Projekt PIFKe auf Initiative von Prof. Heinrich Herbstreith in Rastatt besiegelt. Zehn pensionnierte Lehrer verpflichteten sich ehrenamtlich die Förderung von Flüchtlingskindern, im Rahmen des Nachmittagsprogramm der Grundschule der Karlschule, zu unterstützen.
Das Projekt PIFKe startet am 16.9.15 mit dem Förderunterricht in den Räumen der Karlschule.

Prof. Herbstreith bekam während der Vorbereitungszeit Einblick in die bisherige Praxis der Beschulung von Flüchtlingskindern in den Schulen Baden-Württembergs. Alle Kinder und Jugendliche unter den Flüchtlingen unterliegen der Schulpflicht und werden als sogenannte Seiteneinsteiger beschult. Als Vorbereitung zur Eingliederung in Regelklassen werden an den Schulen je nach Bedarf Vorbereitungsklassen (VKL)gebildet. Sie dienen der sprachlichen Vorbereitung von Migrantenkindern, die im Anschluss an die Sprachförderung das Ziel erreicht haben sollten, erfolgreich am Unterricht der Regelklassen teilnehmen zu können. Der Übergang in die Regelklassen erfolgt sukzessive, beginnend mit einzelnen Fächern, um eine Überforderung der VKL-Schüler und Schülerinnen zu vermeiden.
Aus dem Internet (http://fluechtlingsrat-bw.de/informationen-ansicht/die-kinderrechtskonvention-gilt-auch-fuer-fluechtlingskinder.html) stammt folgende Einschätzung:

Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg gibt der Beschulung von Flüchtlingskindern im Land die Note „mangelhaft“.
Fast überall dort, wo Flüchtlingskinder zur Schule gehen, fehlt es an Vorbereitungsklassen. Die Mittel, die dazu erforderlich sind, müssen am Anfang des Schuljahres bei den Regierungspräsidien beantragt werden. Kommen aber Kinder während des Jahres, muss die Schule sehen, wie sie zurechtkommt. Oft ist der Unterricht dann nicht intensiv und nicht regelmäßig genug. Lehrkräfte, die eine Ausbildung für Deutsch als Fremdsprache haben, gibt es nicht und daher mangelt es dem Unterricht manchmal an Qualität.

Das neue Flüchtlingsaufnahmegesetz schreibt ausdrücklich vor (§13): „Im Rahmen der vorläufigen Unterbringung ist sicherzustellen, dass der Schulbesuch nach Maßgabe des Schulgesetzes für Baden-Württemberg erfolgen kann. Wenn tatsächlich Anhaltspunkte vorliegen, dass bestehende Fördermaßnahmen zur Vorbereitung auf den Schulbesuch benötigt werden, ist die Schulaufsichtsbehörde zu unterrichten.“ Nach den Informationen, die der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg gesammelt hat, gibt es gegenwärtig ein deutliches Defizit gegenüber dem Gesetz, das unbedingt ausgeglichen werden muss.

Herr Prof. Herbstreith kam auf die Idee nach dem Vorbild der bayrischen Schule ISuS (Integration durch Sofortbeschulung und Stabilisierung) die Vorbereitungsschule VSFR in Rastattzu planen.

ISuS
wurde im Jahr 2012 vom Trägerkreis Junge Flüchtlinge e.V. in München gegründet und hat zum Ziel jungen Flüchtlingen unmittelbar nach ihrer Ankunft durch Beschulung und sozialpädagogische Betreuung einen Halt sowie eine Perspektive zu geben.

Mit Gründung der Schule wurde den jungen − oftmals schwer traumatisierten −  Menschen der Zugang zu ihrem Menschenrecht auf Bildung und die dringend benötigte Perspektivenschaffung sowie ein geregelter Alltag im neuen kulturellen Umfeld ermöglicht. Der Name der Schule beschreibt gleichzeitig das Angebot: ISuS ist ein Schulprojekt zur Sofortbeschulung und Stabilisierung der jungen Menschen nach schrecklichen Erlebnissen im Herkunftsland und auf der Flucht. Im Schuljahr 2014/2015 stellt ISuS 74 Schulplätze zur Verfügung.

Insgesamt fünf Lehrkräfte, angestellt beim Referat für Bildung und Sport der Stadt München, sowie mehrere HonorarkollegInnen unterrichten die jungen Flüchtlinge in den ehemaligen Räumlichkeiten der SchlaU-Schule in der Schillerstraße (insgesamt 125 Unterrichtseinheiten pro Woche). In fünf Klassen absolvieren die SchülerInnen das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und erhalten Unterricht in den Fächern Deutsch schriftlich, Deutsch mündlich und Mathematik. Neben den Kernfächern spielen insbesondere die Themenbereiche Orientierung, Gleichberechtigung und Konfliktmanagement eine große Rolle innerhalb der Unterrichtsgestaltung.

Die Aufteilung der SchülerInnen auf die fünf Klassen erfolgt anhand verschiedener Kriterien wie etwa den schulischen Vorkenntnissen, dem Alphabetisierungsgrad und den Fremdsprachenkenntnissen. Insgesamt sind durchschnittlich circa 1/3 der SchülerInnen bei ISuS zu Schuljahresbeginn Analphabeten.

Wie in der SchlaU-Schule werden die SchülerInnen durch Schulsozialarbeit begleitet. Zwei SozialpädagogInnen gewährleisten eine psycho-soziale Betreuung der SchülerInnen. Unterstützt werden sie durch eine sozialpädagogische Hilfskraft. Da es sich bei den SchülerInnen bei ISuS fast durchweg um stark traumatisierte und gerade geflohene Flüchtlinge handelt, bedarf es hier einer Vielzahl an persönlichen, intensiven Gesprächen und einem deutlich höheren Betreuungsaufwand.

Am Ende eines Schuljahres stellt man jedes Jahr aufs Neue fest: Während die SchülerInnen im September traurig, verschüchtert und mit negativen Lebenseinstellungen zu ISuS kamen, werden schon nach sechs Monaten Betreuung die extremen psychischen Anspannung gelindert das Selbstwertgefühl gesteigert  und die SchülerInnen in die Lage versetzt,  sich in der Fremdsprache Deutsch auszudrücken.

 

Planung des Projektes VFSR

Gründung einer Projektgruppe aus ehrenamtlich tätigen Bürgern der Stadt Rastatt.

Erstellung einer Machbarkeitsstudie mit folgendem Inhalt:

Rechtliche Überprüfung des Vorhabens und Rechtsform der Trägerschaft

Mitwirkung der Stadt Rastatt, des Staatlichen Schulamtes, des Kultusministeriums, des Landkreis Rastatt und der karitativen Einrichtungen

Erfassung des Mengengerüstes der Flüchtlingskinder in Rastatt

Finanzielle, personelle und räumliche Ausstattung

Sponsoring

Zeitplanung

Entscheidung über die Fortführung des Projektes